Es neigt sich nun die erste Woche, in welcher ich selbst auf der Baustelle mitgearbeitet habe, dem Ende und es wird Zeit ein erstes Fazit zu ziehen. Da wir unser Haus massiv bauen lassen, sind bereits dreieinhalb Monate seit Baubeginn vergangen und wir konnten bisher nur zuschauen. Es wurde ausgehoben, die Bodenplatte gegossen, Keller, Erdgeschoss und Obergeschoss aufgebaut und das Dach abgedichtet.

Nun sind die Fenster auch eingebaut, so dass die Elektriker und die Sanitärtechniker ihr Werk im Haus verrichten können. Ich habe mich auch dazu gesellt und die Betondecken (auch Filigrandecken genannt) grundiert, damit ich die Fugen spachteln kann. Zum einen habe ich mich wirklich gefreut, dass ich endlich auch etwas Produktives dazu beitragen kann. Aber gleichzeitig hatte ich etwas Bammel, etwas nicht richtig zu machen und von den Profis nur belächelt zu werden. 🙂 Und als einzige Frau am Bau war es auch etwas merkwürdig.

Mir ist aufgefallen, dass bei Rückfragen der Bauarbeiter zuerst immer mein Mann adressiert wurde. Obwohl ich mindestens genauso viel zur Planung des Hauses beigesteuert habe, wurde ich als nachrangige Bauherrin abgetan. Aber dass die Bauarbeiter nicht wissen, dass ich die Zimmeraufteilung, Fensteranordnung, Planung der Innenbeleuchtung sowie jegliche Berechnung, Planung der Gartenbewässerung, -beleuchtung und -bepflanzung selbst vorgenommen habe, ist nicht ihre Schuld. Schließlich haben wir zwei Kinder, mit welchen ich mich fast täglich auf der Baustelle am Nachmittag habe blicken lassen, während mein Mann im Büro war. Es kam sogar einmal die Frage, ob ich nicht arbeiten würde. 😀

Aber alle Geschlechtervorurteile beiseite. Ein Haus zu bauen ist kein Hexenwerk, aber es ist ein Meisterwerk. Die einzelnen Gewerke auszuführen, zu koordinieren, miteinander zu verbinden und trotz täglichem Chaos nicht den Überblick zu verlieren, ist eine Kunst. Da wir uns sowas definitiv nicht zutrauen, haben wir diese Aufgabe unserem Bauunternehmen überlassen. Die Männer (und bestimmt auch irgendwo Frauen) auf der Baustelle verdienen meinen größten Respekt. Sie arbeiten bei Wind und Wetter, bei viel Staub und Lärm um unseren Traum vom Haus zu erfüllen. Aus diesem Grund möchte ich alle künftigen Bauherren dazu animieren, den Bauarbeitern mit einer kleinen Geste zu danken. Wir haben seit dem ersten Tag täglich Tee und Kaffee zur Verfügung gestellt. Manchmal gab es auch Gebäck und es wurde dankend angenommen.

Aber zurück zu mir. Wir haben lediglich den Innenausbau als Eigenleistung geplant. Und wenn ich schreibe „lediglich“, dann untertreibe ich in höchstem Maße. Der Innenausbau beinhaltet nicht nur den Boden und die Wände, sondern auch die Bearbeitung der Decke, da diese als Malerleistung betrachtet wird, welche wir aus dem Angebot rausgenommen haben. Bei der Decke gibt es für uns zwei Optionen:

  • Gesamte Decke grundieren, Fugen spachteln, mit Tapete bekleben und anschließend streichen. 
  • Gesamte Decke grundieren, Fugen und Luftlöcher im Beton (also die gesamte Decke) spachteln und anschließend glatt schleifen und anschließend streichen ohne Tapete.

Nachdem ich mir stundenlang Anleitungen angeschaut habe, bestellte ich mir das passende Werkzeug, einen Langhalsschleifer sowie einen Nass-/Trockensauger um den abgeschliffenen Staub fachgemäß aufzusaugen. Alles Werkzeug parat, machte ich mich an die Arbeit. Nachdem ich alle Decken grundiert habe, konnte ich die Deckenfugen spachteln. Ich habe es sowohl in der großzügigen Variante mit mehr Spachtelmasse versucht, bei welcher nach der Trocknung jedoch auch mehr abgeschliffen werden muss. Wie auch in der sparsamen Variante, bei welcher lediglich die Fuge mit Spachtelmasse gefüllt wird. Hierzu muss man die Glättekelle beim Abziehen stärker andrücken. Allerdings spart man sich beim ordentlichen Arbeiten dabei auch das anschließende Abschleifen. Und das ist definitiv nicht ohne. Zum einen wiegt der Langhalsschleifer schon allein 10kg und zum anderen muss man das Gerät permanent an die Decke drücken, da sonst Staub nicht richtig abgesaugt wird. Das war mit Abstand meine unliebste Arbeit und als ich gemerkt habe, dass Abschleifen nur eine Notlösung bleiben wird, habe ich alle weiteren Fugen so sparsam und ordentlich wie möglich gefüllt. Ebenso hat sich an dieser Stelle die Frage erübrigt, ob die Decken verputzt oder mit Malervlies beklebt werden. Wenn schon das Abschleifen von wenigen Fugen so anstrengend ist, werden über 250qm Deckenfläche unmöglich sein. Wir haben uns also für das kleinere Übel mit Tapeten entschieden.

Als alle Decken verspachtelt waren, machte ich mich an an die Wände. Bevor der Speicher im Keller endgültig aufgestellt werden sollte, verschönerte ich noch die entsprechenden Wände. Den Technikraum haben wir nämlich ebenfalls aus dem Angebot rausgenommen und hier konnte ich schon mal nach Lust und Laune üben. Die löchrigen Betonwände ließen sich wunderbar bearbeiten. Ich habe gleich festgestellt, dass die Spachtelmasse an vorher grundierten Wänden nicht so schnell getrocknet ist, als auf nichtgrundierten. Ein nachträgliches Abziehen der Spachtelmasse war hier bereits nach wenigen Minuten kaum noch möglich. Ich habe mehr Macken verursacht, als dass ich etwas ausgebessert habe. Daher mein Fazit: wenn man nicht zügig arbeiten kann, sollte man auf jeden Fall grundieren. Das gleiche gilt auch für das spätere Streichen. Ohne Grundierung wird das Material nämlich zu schnell vom Untergrund aufgesaugt. Bei Farbe ist dadurch ein mehrmaliges Streichen unumgänglich.

Jetzt ist es im Haus wieder ruhiger geworden. Die Elektriker sind fertig. Sanitär und Heizung auch schon in den letzten Zügen. Als Nächstes werden alle Boden- und Deckendurchbrüche zugemauert sowie die Vormauerungen von den Maurern angelegt. Anschließend kommen die Gipser und legen uns den Putz in Q2 an. Dann werde ich ihnen definitiv etwas bei der Arbeit zuschauen um zu beurteilen, wie gut ich die Arbeit in Eigenleistung erledigt habe.

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