Noch lange bevor uns unser Grundstück zugeteilt wurde und wir nur den Bebauungsplan als Anhalt hatten, machten wir uns Gedanken dazu, was unser Haus alles haben muss. Neben einer offenen Wohnküche als Zentrum des Hauses, sollte natürlich jedes Familienmitglied genügend Platz und Rückzugsmöglichkeiten haben. Denn in unserer kleinen Zweizimmerwohnung waren Rückzugsorte Mangelware. Relativ schnell bildete sich eine Liste an Dingen heraus, die wir nicht vermissen wollten. Wir hatten stets den Verlauf der Sonne im Hinterkopf, so dass bestimmte Räume in jedem Grundriss nach Süden ausgerichtet werden würden. Das hat sehr weitergeholfen, wenn wir uns nicht sicher waren, ob ein Raum hier oder da geplant werden sollte.

Ganz oben auf der Liste mit dabei waren die Kinderzimmer. Diese sollten so identisch wie möglich sein. Es kam für uns nicht in Frage ein Kind in den dunklen Norden und das andere Kind in den sonnigen Süden zu legen. Und weil wir uns die Schlafräume klassischerweise oben und die Wohnräume unten vorstellten, war relativ schnell klar, dass die Kinderzimmer im Obergeschoss beide nach Süden ausgerichtet werden. Da die Laune der Familie oft sehr stark von der Anzahl der Sonnenstunden abhängt, wollte ich für die Kinder in jedem Fall helle Zimmer haben um ihrem Gemütszustand positiv nachzuhelfen. 😉 Außerdem sollte sich keines der Kinder bevorzugt oder benachteiligt fühlen, daher haben wir beide Zimmer einfach gespiegelt. Die Größe ergab sich von alleine aus dem Gesamtgrundriss. Außerdem sollten die Zimmer nicht zu viele Ecken haben und nicht zu schlauchartig sein.

Da nun die Südseite des Obergeschosses verplant war, blieben das Badezimmer und das Schlafzimmer, welche möglichst geschickt zu verteilen waren. Zur Auswahl standen die Ostseite mit bläulichem Morgenlicht und die Westseite mit rötlichem Abendlicht. Einerseits wäre es schön gewesen im Badezimmer morgens natürliches Sonnenlicht zu haben, andererseits verbringen wir gerade dann nicht so viel Zeit im Badezimmer wie abends. Daher hat sich die Anordnung der Zimmer auch hier schnell ergeben: Morgens begrüßt uns die Sonne im Schlafzimmer an der Ostseite des Hauses und verschwindet wieder innerhalb weniger Stunden, damit sich das Schlafzimmer im Hochsommer nicht unnötig aufheizt. Abends kann man nach der Arbeit oder Schule die Sonne durch das großzügige Badezimmerfenster genießen. Den Ankleidevorraum im Schlafzimmer legten wir an die Nordseite. Damit auch hier möglichst viel Licht reinkommt, planten wir anstatt Wandfenstern, durch welche sowieso nie direktes Licht strahlen würde, ein Deckenfenster. Die Lichtausbeute ist bei einem Deckenfenster viel höher als bei einem Wandfenster und die Fläche an der Wand kann optimal für Kleiderschränke genutzt werden.

Das Badezimmer selbst sollte natürlich eine ausreichende Größe haben, wenn sich morgens alle Familienmitglieder gleichzeitig darin herumtummeln. Wenn die Kinder abends gewaschen werden, sollte genug Platz für eine Badewanne sein. Außerdem stellten wir uns auch die Frage, ob dieses Badezimmer für alle von uns in der Nacht gut zu erreichen war, denn schließlich würde ja genau dieses Badezimmer für den nächtlichen Toilettengang aufgesucht werden. Die Antwort war: ja, groß genug und gut platziert, im Sinne dessen, dass keine unnötigen Türen oder Gänge dazwischen waren. Check.

Im Erdgeschloss ging es mit der Planung weiter: Küche offen oder doch geschlossen? Und da wir uns die Küche und den Essbereich als Zentrum des Hauses, als DEN Versammlungsort für Familie und Gäste vorstellten, war diese Frage auch schnell erledigt. Zwar hat eine geschlossene Küche den unschlagbaren Vorteil, dass sie nicht immer wie geleckt aussehen muss. Dennoch schätzten wir uns eher so ein, dass wir mit einer offenen Küche glücklicher wären. Außerdem stellten wir uns die Küche selbst als ein optisches Highlight vor, welches nicht versteckt werden durfte. Daher sollte der Küchenbereich auch entsprechend Platz für einen Herd in Richtung des Ess- und Wohnbereichs bieten.

Angrenzend an die offene Küche in U-Form oder mit einer Kochinsel folgt entsprechend des natürlichen Ablaufs

Zubereiten -> Speisen -> Verdauungsnickerchen

auch die Reihenfolge der Räumlichkeiten: Küche, Essbereich, Wohnbereich. Das Ganze auf der Südseite gelegen um auch hier das Licht optimal auszunutzen. Dabei stellten wir uns den Wohnbereich im Süd-Westen vor um die Nachmittagssonne genießen zu können. Das bedeutete, dass die Küche an die Süd-Ostseite geplant wurde.

Das Tages-WC bzw. Gästebadezimmer sollte etwas abseits vom offenen Koch-/Ess-/Wohnbereich liegen, damit die Gäste einerseits keine neugierigen Blicke vom Esstisch aus befürchten müssen. Das Aufsuchen des stillen Örtchens sollte so diskret wie möglich gestaltet werden. Andererseits wollten wir keine unangebrachten Geräusche oder Gerüche im Wohn-/Ess-/Kochbereich riskieren. Idealerweise liegen beide Badezimmer der beiden Geschosse übereinander. Bei uns ist es nicht so, und es hat dennoch funktioniert. Wir mussten eben mehr Materialkosten wegen längeren Rohren in Kauf nehmen.

Im Erdgeschoss war noch genug Platz frei für ein weiteres Zimmer, welches als Büro dienen sollte. Da nun das Badezimmer im Osten war, lag das Büro im Westen. Obwohl das Morgenlicht zwar die Produktivität am Arbeitstisch steigern würde, stellten wir uns das Abendlicht im Büro dennoch sehr schön vor. Und schließlich verfügt jedes ordentliche Büro über eine üppig ausgestattete Bar und wer trinkt seinen Whiskey nach getaner Arbeit nicht gerne zum Sonnenuntergang? 😀 Der Raum wurde zudem so geplant, dass er auch als Gästezimmer fungieren konnte. Sollten wir uns in ferner Zukunft erneut vermehren, könnte hier ein vollwertiges Schlafzimmer eingerichtet werden. Damit war die Größe des Raumes auch schon bestimmt. Check.

Da nun alle Wohn- und Schlafräume verplant waren, ging es an die Planung der Sonderräume. Dass wir mit Keller bauen, stand relativ schnell fest, da wir Extrawürstchen mit großen Träumen sind. In den Keller mussten ein Kino für den Bauherren, ein Atelier für die Baudame, ein Spa für Familie und Gäste, sowie ein Raum für Technik, Waschen und das Abstellen. Der letzte Raum ist zugegebenermaßen etwas sparsam geplant. Obwohl wir zu Beginn nicht viel Krämpel mitbringen würden, war uns klar, dass sich dieser mit der Zeit unweigerlich vermehren würde, bis kein Platz mehr da wäre. Es ist wie mit dem Taschengeld: je mehr man hat, desto mehr gibt man aus. So ist es mit Krempel: je mehr Platz man hat, desto mehr unnötiges Zeug häuft man an.

Also überlegten wir, wo wir noch Platz schaffen konnten. Einen Dachboden haben wir mit Flachdach nicht, das fällt dann schon mal weg. In der Garage könnten wir Reifen und großes (Garten-)Werkzeug lagern, wenn diese groß genug wäre. Saisonale und Alljahresdekoration war ich bereit zu mir ins Atelier zu nehmen, da es sowieso thematisch zum Kreativen passte. Winterkleidung und Bettwäsche würde jedes Familienmitglied gut bei sich im Zimmer unterbringen können. Außerdem haben wir noch große Schränke in der Garderobe im Erdgeschoss geplant. Handtücher stellte ich mir idealerweise in den jeweiligen Badezimmern vor. Also blieben nur noch der Staubsauger, Eimer und Wischmopp, Berge an Toilettenpapier (denke da einer an die Hamsterkäufe während des ersten Corona-Lockdowns) sowie vielleicht unverderbliche Lebensmittel und Getränke. Die letzten beiden wären im Keller ohnehin nicht ideal untergebracht, weswegen wir uns noch kurzerhand für zwei Abstellräume im Erdgeschoss entschieden haben.

Damit waren für uns genügend Stauräume geschaffen worden und schon ging es an die Außenplanung. Wieder das Thema Sonnenlicht und uns war klar, dass der Garten in den Süden des Hauses musste. Damit waren Zufahrt und Garage nur noch im Norden möglich. Was aber auch Sinn macht, damit sich Auto und Garage im Hochsommer nicht unnötig aufheizen müssen. Dann fragten wir uns, ob wir lieber eine Frühstücksterrasse im Osten oder eine Abendterrasse im Westen wollten. Es wurde letzten Endes eine Südterrasse, weil das Grundstück nicht breit genug war. Als letztes überlegten wir, wohin mit dem Müll? Ob wir noch ein Garten- und/oder ein Müllhäuschen benötigten und wie wir bei Regen mit dem Müllsack laufen würden. Diese Frage haben wir bis heute nicht geklärt. Wir planen vorerst die Mülltonnen in die Garage zu stellen, da wir hier dank der großzügigen Überdachung nicht im Regen laufen würden.

Als der Hausplan nun im Großen und Ganzen fertig war und wir nun endlich unser Grundstück gekauft haben, stellten wir noch die abschließenden Fragen: Was ist mit Straßenlärm, Laternen, bösen Nachbarn: was stört wann? Alles Drei war zum Glück nicht zu erwarten. Lediglich die öffentlichen Parkplätze im Süden des Grundstücks haben uns noch dazu angeregt, den Sichtschutz wegen Blendlicht höher zu ziehen. Darüber habe ich bereits beim Thema Sichtschutz berichtet.

So entstand der Entwurf zu unserem absoluten Haustraum Traumhaus. Als besondere Highlights halten wir gerne fest:

  • Wir haben einen kleinen Kamin im Wohnzimmer und freuen uns schon auf die kuschelige Winterzeit.
  • Unsere Treppe befindet sich im Herzen des Hauses auf der Wohnseite und bestimmt damit auch maßgebend die Gestaltung der Räume. Außerdem kann man um die Treppe endlos im Kreis herum rennen. Immer und immer und immer wieder. 🙂
  • Dazu kommt die Galerie, welche genügend Platz für ein Klavier bietet. Es war schon immer ein Traum von mir, in luftiger Höhe zu spielen – oder eines Tages den Kindern von der Küche oder dem Esstisch aus beim Üben zuzuhören.
  • Wir haben einen gigantischen offenen Bereich mit offener Küche, großem Holzesstisch unter der Galerie und edler Wohnzimmerecke.
  • Nicht zu vergessen, sind die besonderen Fenster im offenen Raum. Außerdem planten wir in allen Räumen außer den beiden Kinderzimmern bodentiefe Fenster. Auch im Schlafzimmer und den beiden Badezimmern. Man könnte unser Haus spaßeshalber auch schon fast als Glashaus bezeichnen. 😛