Der Bau schreitet voran und seit letzter Woche ist bei uns nun auch der Estrich drin. Seit letzten Samstag darf dieser auch betreten werden, was stark der Atmosphäre des Hauses zuspielt. Das Haus sieht immer mehr nach einem richtigen Zuhause anstatt einer Baustelle aus. In den kommenden Tagen wird auch die Fußbodenheizung in Betrieb genommen, damit der Estrich durchtrocknen kann. Es gibt ein sogenanntes Aufheizprotokoll, nach welchem die Temperatur genauestens einzuhalten ist. Dieses Protokoll hängt von der Art des Estrichs ab und kann sich entsprechend in der Länge der einzelnen Phasen unterscheiden:

Schematische Darstellung des protokollmäßigen Vorlauftemperaturverlaufs in einer Fußbodenheizung beim Auf-, Belegreife- und Abheizen von Estrich. (Grafik: energie-experten.org)

Schon am dritten Tag wird im Boden eine Temperatur von 50 Grad Celsius angestrebt, welche etwa zwei Wochen gehalten wird. Anschließend wird die Temperatur wieder stufenweise heruntergefahren, wobei der Estrich noch viele weitere Wochen trocknet. Die Dauer der Trocknung wird stark davon beeinflusst, wie gut die Bauherren lüften. Das sind wir, Hallo! 😀

Auch hierzu gibt es eine Vorgabe, damit es eben richtig gemacht wird. Denn Lüften ist nicht gleich Lüften. Und wenn die Fenster offen sind, heißt es noch lange nicht, dass dadurch das Haus auslüftet oder trocknet. Die Lüftungsempfehlung von unserer Baufirma enthält ganze zwei Seiten und beweist damit, wie schwer das richtige Lüften doch sein kann, obwohl es im Grunde doch nur Fensteraufmachen ist. Im Folgenden beschäftige ich mich mit dem Dauerbrennerthema Lüften, damit es hiermit endlich begreifbar wird.

Die effizienteste Methode ist die Stoßlüftung. Hierbei soll eine möglichst große Menge an frischer Luft in einem Stoß ins Haus kommen. Die Bezeichnung erklärt die Funktion, so weit klar. Nun ist es aber wichtig, dass alle Fenster gleichzeitig bzw. direkt nacheinander vollständig aufgemacht werden. Nicht kippen, sondern komplett öffnen. Noch effizienter wird das Lüften, wenn es einen Durchzug gibt. Nach 10 bis 15 Minuten werden die Fenster wieder geschlossen. Solange das Heizungsprogramm noch nicht läuft, können die Fenster auch gekippt werden. Im Winter allerdings nur maximal 3 Stück pro Stockwerk, weil sich sonst Kälte einschleicht und für Kondensation des Wassers aus der inneren feuchten Luft sorgt.

Wenn das Heizungsprogramm schon läuft, ist es wichtig, dass kein einziges Fenster mehr gekippt ist und das Haus dicht ist. Die Luft im Inneren des Hauses muss sich wieder ungestört aufwärmen können, bevor sie mit dem nächsten Lüften wieder entweicht. Um das zu verstehen, ist es am einfachsten, sich das Zusammenspiel von Wasserdampfgehalt und Temperatur in der Luft anzuschauen:

Wasserdampfgehalt der Luft in Abhängigkeit zur Temperatur und relativen Luftfeuchtigkeit (Grafik: fuehlersysteme.de)

Links im Diagramm ist der Wasserdampfgehalt in absoluten Mengen angegeben. Unten die Temperatur. Die blauen Kurven stellen die relative Luftfeuchtigkeit dar. Die Kurve mit 100% relativer Feuchtigkeit stellt auch die Grenze zwischen Kondensat oberhalb der Kurve und unsichtbarem Wasserdampf, welcher in der Luft noch gehalten bzw. gebunden werden kann unterhalb der Kurve dar. Denn Wasser kann sowohl flüssig, wie auch gasförmig und damit unsichtbar sein.

Hat nun die Luft in einem hypothetischen Haus die relative Luftfeuchtigkeit von 80% bei 25 Grad Celsius, befindet sich in einem Kubikmeter Luft etwa 20 Gramm Wasser. Steigt die relative Luftfeuchtigkeit auf 100% an, können noch etwa 23-24 Gramm Wasser in der Luft gehalten werden, bevor sie als Kondensat in Form von Tröpfchen auf kalten Oberflächen ausfallen. Dieses Phänomen sieht man beim Baden an kalten Spiegeln.

Schaut man sich nun an, wieviel Gramm Wasser bei 50 Grad Celsius gehalten werden können, stellt man fest, dass es mehr als das Dreifache ist. Nämlich über 80 Gramm Wasser pro Kubikmeter. Das bedeutet also, dass viel mehr gasförmiges Wasser in der Luft gebunden ist, je wärmer diese Luft ist. Das ist auch der Grund, warum die Fenster während der Heizungsphase unbedingt geschlossen bleiben müssen. Je wärmer die Luft im Inneren des Hauses, desto mehr Wasser kann aus dem Estrich in die Luft gelangen. Beim Stoßlüften wird die feuchte Luft dann wieder durch die trockene Luft von Draußen ersetzt und kann sich wieder mit Wasser füllen. Der Vorgang des Lüften soll während der Heizungsphase mindestens drei, besser vier Mal pro Tag wiederholt werden. Also etwa alle vier Stunden einmal Stoßlüften.

Im Sommer enthält die warme Außenluft schon selbst relativ viel Wasserdampf und die Temperaturdifferenz zur Innenluft ist nicht mehr so groß, weswegen die Lüftung im Sommer ruhig bis zu 30 Minuten dauern darf. Im Winter kann sich die Luft auf Grund des starken Temperaturgefälles schneller austauschen, wodurch 10 Minuten vollkommen ausreichend sind. Es soll keine unnötige Abkühlung der Bausubstanz riskiert werden.

Wenn das Heizungsprogramm nach etwa drei Wochen beendet ist, können die Fenster alle Paar Tage auch für mehrere Stunden offen stehengelassen werden. Der Windzug würde dann die Feuchtigkeit von den warmen Oberflächen streichen und mitnehmen. Dabei ist natürlich darauf zu achten, welches Wetter gerade vorherrscht. Bei strömendem Regen würde es nur wenig Sinn machen, die Fenster offen zu lassen. Außerdem ist an dieser Stelle wichtig, die Fenster mit Lappen, Styroporklötzen oder vollen Wasserflaschen zu verkeilen, damit sie nicht ständig zuschlagen und sich verziehen.

Diese Empfehlung zum Lüften kann so auch nach dem Einzug übernommen werden, denn gerade Neubauten sind in den ersten Jahren noch relativ feucht. Wer vier Mal täglich stoßlüftet, sorgt für trockene Wände und ein gutes Klima im Haus. Dabei gilt auch hier, dass die Fenster immer nur mit Vorsicht gekippt werden sollten. Gerade im Winter sorgen sie für kalte Wände, wodurch die Schimmelgefahr steigt. Im Keller sollte ebenfalls mit Bedacht gelüftet werden. Hier sind die Räume und Wände ebenfalls oft kälter als im Rest des Hauses. Die Feuchtigkeit der gesamten Luft kondensiert hier also deutlich schneller, als in den oberen Geschossen. Gerade im Sommer kann es also zum Trugschluss kommen, wenn man stundenlang die Kellerfenster offen lässt. Die warme, mit Wasserdampf gesättigte Luft strömt hinein, kühlt ab und das Wasser fällt an den Wänden aus. Besser ist es im Keller, sowie in anderen feuchten Räumen wie Bad, Küche und Schlafzimmer, früh morgens oder spät abends zu lüften, damit die Feuchtigkeit draußen bleibt. Zur Erinnerung: je kälter die Luft, desto weniger Wasserdampf befindet sich darin. Mit diesem Wissen seid ihr nun auch Lüftungsexperten. Also ran an die Fenster und bis dahin, frohes Lüften! 🙂